{"id":219,"date":"2017-05-12T17:02:54","date_gmt":"2017-05-12T17:02:54","guid":{"rendered":"http:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/?page_id=219"},"modified":"2017-05-12T17:02:54","modified_gmt":"2017-05-12T17:02:54","slug":"forts-alltag-in-bouda-burkina-faso","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/publikationen\/forts-alltag-in-bouda-burkina-faso\/","title":{"rendered":"(Forts.) Alltag in \u2026  Bouda, Burkina Faso"},"content":{"rendered":"<p><strong>Goldsch\u00fcrfen in Bouda\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><em>Neue Wege\u00a0 Nr. 4\u00a0 April 2016<\/em><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Gegend von Bouda liegt in einer sch\u00f6nen Savannen-Landschaft nordwestlich von Ouagadougou, etwa anderthalb Stunden Autofahrt auf der Asphaltstrasse von der burkinischen Hauptstadt entfernt. Das Gr\u00fcn der zahlreichen B\u00e4ume und Str\u00e4ucher nimmt dem staubigen, steinigen Sandboden die \u00d6dnis und Kargheit. Karg ist das Erdreich allerdings nicht, es enth\u00e4lt Gold. Und seit \u00fcber 20 Jahren graben die Leute der Umgebung die Erde hier um, um dieses Gold zu gewinnen.<\/p>\n<p>Von der Strasse aus sind die Goldsch\u00fcrfer und -sch\u00fcrferinnen nicht auszumachen. Biegt man von der Strasse ab, sieht man sie schon nach wenigen Hundert Metern Piste an der Arbeit. Es sind vor allem j\u00fcngere M\u00e4nner und Frauen, aber auch einige \u00c4ltere. Und ihre Kinder sind da, Kleinkinder im bunten Wickeltuch auf dem R\u00fccken der arbeitenden Mutter festgebunden, etwas gr\u00f6ssere hocken oder krabbeln im Schatten eines Baumes auf dem Boden, der ja ein einziger Sandkasten ist. Noch \u00e4ltere rennen herum und spielen mit Bruchst\u00fccken von alten Plastikkanistern die Erdtransporte von Lastwagen nach, die in einiger Entfernung ab und zu vorbeidonnern.<\/p>\n<p>Goldsch\u00fcrfen erfordert viel Ausdauer und Geduld. Es beginnt mit dem Anlegen von Mulden im Boden. Die M\u00e4nner und Frauen tragen die oberste Erdschicht ab und f\u00fcllen die Gruben mit Wasser und Erdreich aus gr\u00f6sserer Tiefe auf. Das Wasser sch\u00f6pfen sie mit Plastikeimern an langen Seilen aus der Tiefe eines Sodbrunnens, den sie selber angelegt haben. Dass es hier Grundwasser eines unterirdischen Flusslaufes gibt, verraten die zahlreichen B\u00e4ume verschiedener Arten. Nach einiger Zeit bildet sich in den Mulden eine braune Schlammbr\u00fche, in denen Goldspuren zu finden sind. Eine junge, bunt gekleidete Frau im T-Shirt, mit Wickeltuch um die H\u00fcften und Turban auf dem Kopf sucht danach in der Art, wie es in Fl\u00fcssen gemacht wird, indem sie in einer Pfanne ein wenig Schlamm mit viel Wasser mit kreisenden Bewegungen ausw\u00e4scht, immer und immer wieder, bis sich am Pfannenboden ein Hauch von Goldstaub abzuzeichnen beginnt. Mehrere junge M\u00e4nner haben aufw\u00e4ndigere Verfahren eingerichtet. Wichtigster Bestandteil ist eine mit Stoff \u00fcberzogene Blechrinne, die auf Sands\u00e4cken aufgest\u00fctzt eine schiefe Ebene zwischen zwei Wassermulden im Boden bildet. Am h\u00f6chsten Punkt der Rinne befestigen sie eine l\u00f6chrige Schale, gef\u00fcllt mit goldhaltigem Erdreich, \u00a0das sie immerfort mit Wasser aus den Mulden begiessen. Die dadurch ausgewaschenen Goldk\u00f6rnchen bleiben im Stoff haften. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-220 alignright\" src=\"http:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00367-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00367-300x225.jpg 300w, https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00367-768x576.jpg 768w, https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00367-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Die Leute verrichten ihre Arbeit fast ger\u00e4uschlos, man kann in der Nachmittagshitze das Zirpen der Zikaden h\u00f6ren. Hie und da schwatzen Frauen miteinander. Soweit das Auge reicht, verraten unz\u00e4hlige kleine Erdh\u00fcgel, wie viel Aufwand die Menschen an diesem Ort schon getrieben haben, um Gold zu gewinnen. Wo die Auswasch-Arbeit beendet ist, bleiben trockene Gruben wie Pockennarben in der \u00abBodenhaut\u00bb zur\u00fcck. Wo noch nach Gold gesucht wird, bilden die mit Wasser gef\u00fcllten Gruben eine Landschaft kleiner Kraterseen.<\/p>\n<p>Doch wir \u2013 mein burkinischer Begleiter und ich \u2013 haben erst den kleinsten Teil der Goldf\u00f6rderung von Bouda gesehen. Als wir zu Fuss eine kleine Anh\u00f6he erklimmen, breitet sich eine Mondlandschaft mit unz\u00e4hligen Kratern und Erdhaufen vor uns aus. Menschen sehen wir keine. Hier muss w\u00e4hrend Jahren gearbeitet worden sein. Beim N\u00e4herkommen stellen wir fest, dass es sich nicht wie vorhin um Mulden, sondern um enge, tiefe Erdl\u00f6cher handelt. Dass es kr\u00e4ftigen, jungen M\u00e4nnern \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, in diese engen Sch\u00e4chte hinabzusteigen, ist schwer vorstellbar. Doch einige Zeit sp\u00e4ter begegnen wir solchen. Sie liegen im Schatten eines Busches neben der Schacht\u00f6ffnung vor ihrem gehobenen Schatz, einem H\u00e4ufchen Gestein auf einem Reis-Sack, den sie akribisch durchsuchen. Auf dem Sack ist noch die Herkunft lesbar: Thailand. Anderswo verr\u00e4t ein schwarzer Plastikschlauch, der in die Schachttiefe geht, dass unten ein Goldgr\u00e4ber bei knapper Luft an der Arbeit ist. Dann sehen wir einen jungen Mann in einen etwas weiteren Schacht sich gegen die W\u00e4nde sperrend St\u00fcck um St\u00fcck hinabsteigen. Ein Fehltritt, und er fiele viele Meter tief. Schliesslich \u00f6ffnet sich das Gel\u00e4nde und wir \u00fcberblicken ein riesiges Gebiet mit felsigen Einschnitten und einem Wasserlauf, in dem viele M\u00e4nner und Frauen mit noch gr\u00f6sserem Aufwand nach Gold graben. Ein Generator ist zu erkennen, Luftpumpen und -schl\u00e4uche, ganze Ladungen von Rundh\u00f6lzern zur Verkleidung von Sch\u00e4chten, Esel mit Karren, Fahrr\u00e4der. In weiter Entfernung halten die Goldw\u00e4scher am Flusslauf kurz inne, als sie uns sehen, winken uns zu und fahren mit der Arbeit fort.<\/p>\n<p>Auf unserem R\u00fcckweg gelangen wir an einen Zaun aus Maschendraht, der ein ausgedehntes Gel\u00e4nde abtrennt. Wir erkennen dahinter grosses Ger\u00e4t und Maschinen. Pinsapo Gold S.A. heisst die russische Firma, die sich in Bouda anschickt, im grossen Stil Gold zu f\u00f6rdern und deren vorbeifahrende Lastwagen wir schon zu Beginn unseres Besuches wahrgenommen hatten. \u00dcber die Bedeutung der Goldf\u00f6rderung f\u00fcr Burkina Faso kann uns der indisch-st\u00e4mmige Firmenvertreter, den wir ansprechen, nichts sagen. Aufschlussreicher ist da die neue Studie <em>Profit wichtiger als Menschenrechte? Gold aus Burkina Faso und die Verantwortung der Schweiz <\/em>von Fastenopfer\/Brot f\u00fcr alle. W\u00e4hrend vieler Jahre war Baumwolle Burkina Fasos wichtigstes Exportgut. Im Jahre 2009 wurde das \u00abweisse Gold\u00bb vom eigentlichen Gold abgel\u00f6st. Die industrielle Goldproduktion hat in den letzten Jahren wesentlich zum Wirtschaftswachstum Burkina Fasos beigetragen, hat aber auch sehr negative Auswirkungen. Ganze D\u00f6rfer wurden umgesiedelt. Viele B\u00e4uerinnen und Bauern haben ihr Ackerland verloren. Der enorme Wasserbedarf der Goldfirmen gef\u00e4hrdet die Trinkwasserversorgung der Bev\u00f6lkerung und der Gebrauch von Quecksilber und Zyanid sch\u00e4digt die Umwelt, wie die Studie aufzeigt. Den Herausgebern geht es auch um die Verantwortung der Schweiz. Denn viel Gold aus Burkina Faso wird oder wurde bei der Schweizer Raffinerie Metalor verarbeitet: 2012 waren es 24t der offiziell insgesamt gef\u00f6rderten 29t (rund 85%).<\/p>\n<p>Auf noch etwas verweist die Studie: Mit den industriellen Minen verlieren viele Leute einen kleinen, aber wichtigen Nebenverdienst.\u00a0 Mit dem Goldsch\u00fcrfen l\u00e4sst sich die Armut ein wenig lindern. Das weiss der 10j\u00e4hrige, mit weissem Staub bedeckte Daniel, der jetzt im \u00abComptoir\u00bb mit Argusaugen das Abw\u00e4gen seines H\u00e4ufchens Goldstaub verfolgt, das der K\u00e4ufer vor dem W\u00e4gen mit einem Magneten von m\u00f6glichem Eisenstaub befreit. Drei Streichh\u00f6lzer halten die kleinen Sch\u00e4lchen der Waage schliesslich im Gleichgewicht, was 3\u2019750 Franc CFA (knapp 7 Fr.) ergibt. Daniels Gesicht leuchtet, wenn er das Geld in eine kleine Bundtasche steckt und den Reissverschluss zuzieht. Schule? Nein. Mit dem Gold kann ich besser leben, meint er lachend, und zieht von dannen. <em>(26.2.2016)\u00a0\u00a0 <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-221 alignright\" src=\"http:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00412-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00412-300x225.jpg 300w, https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00412-768x576.jpg 768w, https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00412-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-222\" src=\"http:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00413-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00413-300x225.jpg 300w, https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00413-768x576.jpg 768w, https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSC00413-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"excerpt\">Goldsch\u00fcrfen in Bouda\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Neue Wege\u00a0 Nr. 4\u00a0 April 2016 Die Gegend von Bouda liegt in einer sch\u00f6nen Savannen-Landschaft nordwestlich von Ouagadougou, etwa anderthalb Stunden Autofahrt auf der Asphaltstrasse von der burkinischen Hauptstadt entfernt. Das Gr\u00fcn der zahlreichen B\u00e4ume und Str\u00e4ucher nimmt dem staubigen, steinigen Sandboden die \u00d6dnis und Kargheit. Karg ist das Erdreich allerdings nicht, es enth\u00e4lt Gold. 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