{"id":203,"date":"2017-05-12T16:14:43","date_gmt":"2017-05-12T16:14:43","guid":{"rendered":"http:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/?page_id=203"},"modified":"2017-05-12T16:52:29","modified_gmt":"2017-05-12T16:52:29","slug":"publikationenfortsjoburg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/publikationen\/publikationenfortsjoburg\/","title":{"rendered":"(Forts.) Alltag in \u2026  Johannesburg, S\u00fcdafrika"},"content":{"rendered":"<p><strong>Begegnungen auf dem Gandhi Square\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><em>Neue Wege Nr. 6\u00a0 Juni 2016\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Main Street war einst die Hauptader Johannesburgs, als nach der Entdeckung der reichhaltigen Goldadern im Untergrund 1886 die Stadt aus dem Boden gestampft wurde. Aufw\u00e4ndig gebaute und kunstvoll verzierte Hochh\u00e4user entlang der Strasse zeugen vom enormen Goldreichtum, den zahllose Arbeiter im Verlauf der Jahrzehnte aus der Tiefe heraufgearbeitet haben. Reich sind dadurch aber nicht sie, sondern andere geworden. Und bis heute sind in S\u00fcdafrika Einkommen und Verm\u00f6gen so ungleich verteilt wie kaum sonst auf der Welt. Seit der demokratischen Wende 1994 sind auch zahlreiche Schwarze sehr verm\u00f6gend geworden und es hat sich eine schwarze Mittelschicht mit h\u00f6herer Ausbildung, eigenem Auto und Haus gebildet. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-214 alignright\" src=\"http:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/IMG_0804-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/IMG_0804-225x300.jpg 225w, https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/IMG_0804-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Main Street haben die Minengiganten BHP-Billiton, Anglo Platinum, Anglo Gold und Gold Fields, sowie die Minenkammer ihren Sitz. In der gepflegten Umgebung ist man nicht nur geografisch, sondern auch mental meilenweit entfernt von den Abbaugebieten, wo die Bergarbeiter auch heutzutage unter schwierigen Bedingungen leben und Gold und Platin f\u00f6rdern. Dennoch kommt mir Marikana, der Bergwerkort von Lonmin, einem der weltgr\u00f6ssten Platinproduzenten, in den Sinn, anderthalb Autostunden von Johannesburg entfernt. Dort wurden am 16. August 2012 34 Minenarbeiter bei einem Polizeieinsatz im Kugelhagel der Polizisten get\u00f6tet und 78 weitere verletzt wurden. Marikana ist der Tiefpunkt des demokratischen S\u00fcdafrika.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Main Street f\u00fchrt zum Gandhi-Square. Der ist jetzt f\u00fcr Privatfahrzeuge gesperrt und ein Knotenpunkt vieler Buslinien. Aus allen Richtungen str\u00f6men Menschen herbei, alle dunkelh\u00e4utig, und besteigen die Busse, die in stetem Rhythmus an- und abfahren. Die Stimmung inmitten all der Leute ist friedlich und fern der Gedanke, dass in S\u00fcdafrika die Kriminalit\u00e4t sehr hoch ist, dass Verbrecherbanden die Townships terrorisieren und deren Bewohner immer mal wieder Einbrecher, Kriminelle und Ausl\u00e4nder lynchen. Ich setze mich auf eine Bank beim Gandhi-Denkmal. Als junger Anwalt hatte der Inder Gandhi in S\u00fcdafrika die rassistische Behandlung durch Weisse am eigenen Leib erfahren und danach gegen die Diskriminierung der indischen Bev\u00f6lkerung in S\u00fcdafrika gek\u00e4mpft. 2002 errichteten die Beh\u00f6rden Gandhis Denkmal und tauften den Platz mit seinem Namen. Zwei junge Frauen setzen sich neben mich. Nach einer kurzen Weile erbeten sie sich die Zeitungen, die ich dabei habe. Ich bin \u00fcberrascht, weil in S\u00fcdafrika nur wenige, und kaum junge Leute Zeitungen lesen. Die beiden Frauen lesen sie auch gar nicht, sondern bl\u00e4ttern sie rasch durch. Sie suchten Stelleninserate, entgegnen sie auf meine entsprechende Frage, k\u00f6nnten aber nichts Passendes entdecken. Es sei f\u00fcr sie schwierig, eine Stelle zu finden. Sie haben die Sekundarschule absolviert und seither immer nur befristet gejobbt, sagen sie, als B\u00fcroangestellte, aber auch in Restaurants und Caf\u00e9s. Nach offizieller Statistik hat rund ein Viertel aller Arbeitsf\u00e4higen S\u00fcdafrikas keine Stelle. Tats\u00e4chlich sind es weit mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Frauen wieder weg sind, setzt sich eine \u00e4ltere Frau neben mich. Wir gr\u00fcssen uns. Sie tr\u00e4gt die weissen Ohrh\u00f6rer ihres Handys und ist ins H\u00f6ren vertieft. Doch es ist nicht Musik, was sie in Bann h\u00e4lt, sondern ein Rugby-Match. Sie verfolge ihn live, sagt sie, sie sei ein Rugby-Fan, was f\u00fcr eine Schwarze ungew\u00f6hnlich ist, und will mir, da ich davon keine Ahnung habe, auch gleich die Regeln erkl\u00e4ren. Sie heisst Thembi Mapanthe und reinigt unter der Woche schon drei Jahrzehnte lang B\u00fcros vom Abend bis in die sp\u00e4te Nacht hinein. Sie arbeite mit Kolleginnen im Team, das sei gut, sie h\u00e4tten schon wiederholt gemeinsam zu einem besseren Arbeitgeber gewechselt. Seit einigen Jahren liege ihr Arbeitsort in Randburg im Westen von Johannesburg, weit entfernt von ihrem Wohnort Freedom Park im S\u00fcden von Pretoria. Die Busfahrt via Gandhi-Square, wo sie umsteige, dauere mindestens anderthalb Stunden, oft mehr, denn heutzutage k\u00f6nnten sich immer mehr Leute Autos leisten und die Autobahnen seien im Stossverkehr heillos verstopft. Die 50J\u00e4hrige sieht ihre Lage positiv. &#8222;Ich muss noch 10 Jahre arbeiten, bis ich pensioniert werde. Dann ziehe ich wieder nach Port Elizabeth. Ich stamme von dort. Port Elizabeth boomt so wie Johannesburg!&#8220; Das ist \u00fcbertrieben, trotz der Fahrzeug-Montagewerke von VW-Audi, General Motors, DaimlerChrysler in Port Elizabeth und East London mit ihren vielen Arbeitspl\u00e4tzen. Thembi Mapanthes Zuversicht schm\u00e4lert das nicht. Und sie macht freim\u00fctig ein Bekenntnis, das mich sehr erstaunt. Ihre Tochter sei jetzt \u00fcber 20 und habe sich in den Kopf gesetzt, Journalistin zu werden. Daf\u00fcr sei sie jetzt aber selber verantwortlich. Sie habe als Mutter bisher alleine f\u00fcr die Tochter gesorgt, ihr Mann habe sich schon lange aus dem Staub gemacht. Jetzt sei sie froh, nicht mehr f\u00fcr ihre Tochter sorgen zu m\u00fcssen. \u00abIch will jetzt auch etwas vom Leben haben\u00bb, sagt Thembi Mapanthe. \u00ab Ich &#8218;verbrenne&#8216;, was ich verdiene.\u00bb Und erl\u00e4utert bereitwillig, was das heisst: \u00abIch leiste mir etwas, ich gehe ins Kino, ins Restaurant.\u00bb\u00a0\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-217 alignleft\" src=\"http:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/IMG_0833-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/IMG_0833-225x300.jpg 225w, https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/IMG_0833-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"excerpt\">Begegnungen auf dem Gandhi Square\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Neue Wege Nr. 6\u00a0 Juni 2016\u00a0\u00a0\u00a0 Die Main Street war einst die Hauptader Johannesburgs, als nach der Entdeckung der reichhaltigen Goldadern im Untergrund 1886 die Stadt aus dem Boden gestampft wurde. 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