{"id":200,"date":"2017-05-12T16:03:55","date_gmt":"2017-05-12T16:03:55","guid":{"rendered":"http:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/?page_id=200"},"modified":"2017-05-12T16:27:00","modified_gmt":"2017-05-12T16:27:00","slug":"publikationenkarimasudan","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/publikationen\/publikationenkarimasudan\/","title":{"rendered":"(Forts.) Alltag in \u2026  Karima, Sudan"},"content":{"rendered":"<p><strong>Alte und neue Zeiten\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><em>Neue Wege Nr. 9\u00a0 September\u00a0 2016\u00a0 <\/em><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Der Bahnhof von Karima liegt verlassen da, kein Mensch steht auf dem sandigen Perron, niemand sitzt auf der steinernen Bank. Lebendig scheinen einzig die unz\u00e4hligen farbigen Plastiktaschen, die sich im Stacheldraht verfangen haben und im W\u00fcstenwind rascheln. Und auch wenn die weissen lateinischen Buchstaben und die sch\u00f6n geschwungenen arabischen Schriftzeichen auf der schwarzen Tafel darauf beharren, dies sei die Bahnstation Karima, verr\u00e4t der Zustand der Geleise, dass hier schon seit vielen Jahren kein Zug mehr eingefahren ist. Nur wenigen Leuten begegnen wir im kleinen St\u00e4dtchen, die meisten machen in der heissen Nachmittagszeit Siesta. Die blauen, roten und gr\u00fcnen Rolll\u00e4den der Gesch\u00e4fte sind heruntergelassen, da und dort schlurft ein Mann in weisser Djellabija und Imma, dem traditionellen einfachen Gewand und dem Turban, unter den Arkaden der eingeschossigen H\u00e4userzeilen entlang der Sandstrassen, ein paar Kinder lungern gelangweilt herum. Kein Gebetsruf ert\u00f6nt von der Moschee, deren Minarett die Kleinstadt \u00fcberragt. Auch in der islamischen Bank im einzigen dreist\u00f6ckigen Geb\u00e4ude der Kleinstadt ruhen alle T\u00e4tigkeiten. Nur beim Konserven- und Getr\u00e4nkeladen steht die T\u00fcre offen, die K\u00fchlschr\u00e4nke beim Eingang surren und im Innern l\u00e4uft ein Kleinfernsehger\u00e4t. Doch kein Besitzer, kein Kunde ist zu sehen. Wenn dann aber die Sonne untergeht, wird die Stadt wieder zum Leben erweckt werden, wird aus den Gesch\u00e4ften Musik ert\u00f6nen, wird das Gem\u00fcse an den St\u00e4nden von ihren Besitzern mit Wasser bespritzt und im Licht der Gaslaternen schimmern und wird \u00fcberall muntere Gesch\u00e4ftigkeit einkehren.<\/p>\n<p>Der Weg zu Fuss zum Nil hinunter offenbart uns die Sch\u00f6nheit der Landschaft mit dem breiten, blauen Fluss, beidseits von einem gr\u00fcnen Band ges\u00e4umt, der seinen gem\u00e4chlichen Lauf durch die sandfarbene, h\u00fcgelige W\u00fcste nimmt. Die landschaftliche Sch\u00f6nheit erh\u00e4lt allerdings einen sonderbaren Anstrich, als wir auf den Uferh\u00fcgeln mehrere gestrandete, dreist\u00f6ckige Nildampfer mit Kabinen und begehbaren Reling-Umg\u00e4ngen sehen, die einst einen regen Personenverkehr bew\u00e4ltigten, deren Namen aber bereits zur Unlesbarkeit verwittert sind. Ich setze mich ins Gras an der Uferb\u00f6schung. Der ber\u00fchmte sudanesische Schriftsteller Tayyib Salich kommt mir in den Sinn, der in seinen Werken Dorfgemeinschaften entlang des Nils mit viel Liebe und Humor beschrieben hat, wegen kritischer Bemerkungen \u00fcber Traditionen aber auch angefeindet worden ist. In seiner Erz\u00e4hlung <em>Die Daumpalme von Wad Hamid<\/em> wehren sich Dorfbewohner gegen das F\u00e4llen einer alten Palme, obwohl dadurch Platz f\u00fcr eine elektrische Pumpe f\u00fcr die einfachere Wasserversorgung geschaffen w\u00fcrde. Moderne und traditionelle Lebensweisen stossen aufeinander.<\/p>\n<p>Das ist auch hier so, erkl\u00e4rt Mohammed Abdullah, ein \u00e4lterer Mann, der sich unweit von mir niedergesetzt hat. Er sei Anwalt in Khartum gewesen, jetzt aber Fischer hier. Doch seit dem Bau des Staudamms etwas weiter flussaufw\u00e4rts sei es mit der Fischerei schwierig geworden. Den ungew\u00f6hnlichen Berufswechsel mag er nicht n\u00e4her erkl\u00e4ren, politische Gr\u00fcnde w\u00e4ren denkbar, das Regime duldet kaum Opposition. Der Merowe- oder Hamdab-Damm wurde 2009 fertiggestellt und erm\u00f6glichte dem Sudan die Verdoppelung der Elektrizit\u00e4tsleistung, sowie die Bew\u00e4sserung gr\u00f6sserer landwirtschaftlicher Anbaufl\u00e4chen als bisher. Er hat aber auch zahlreiche Familien von ihrem angestammten Lebensraum vertrieben. Die Sudanesische Regierung hat drei weitere Nil-Staud\u00e4mme projektiert, alle bei den Nil-Katarakten, den Stromschnellen, gelegen, und beunruhigt damit \u00c4gypten, dessen Bev\u00f6lkerung vom Nilwasser abh\u00e4ngig ist. Das Gleiche trifft auch auf \u00c4thiopien zu, das am Blauen Nil die gr\u00f6sste, Renaissance-Damm\u00a0 genannte Talsperre baut. Den Hamdab-Staudamm m\u00f6chte ich besichtigen, doch Ausl\u00e4ndern und Journalisten ist das nicht erlaubt. Immerhin werde ich beim zweiten Versuch vom neuen Sicherheitschef aufs Freundlichste empfangen und mit Wasser und den unvergleichlichen Datteln, die in der ganzen Region kultiviert werden, bewirtet.<\/p>\n<p>Mit dem Bau des Hamdab-Staudamms, der acht Jahre dauerte, waren weitere Infrastrukturvorhaben verbunden, die Asphaltierung der Piste durch die W\u00fcste, eine Autobr\u00fccke \u00fcber den Nil, ein Flughafen, sowie Spit\u00e4ler. Den Kontrast der &#8222;neuen&#8220; mit der &#8222;alten&#8220; Welt erleben wir hautnah inmitten von Dromedaren, Rindern, Schafen und Ziegen auf dem Viehmarkt\u00a0 der Ortschaft Tangasi, wo alle an dem seit erdenklichen Zeiten gleichen Handel Beteiligten heute \u00fcber ein Handy verf\u00fcgen. Eselskarren, Tuk-Tuks und neuste Gel\u00e4ndefahrzeuge stehen nebeneinander. Der Kontrast wird am Abend noch markanter, als wir im Licht der untergehenden Sonne die Pyramiden von Karima besichtigen, \u00dcberreste der nubischen Hochkultur und Zivilisation im 1. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"excerpt\">Alte und neue Zeiten\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Neue Wege Nr. 9\u00a0 September\u00a0 2016\u00a0 Der Bahnhof von Karima liegt verlassen da, kein Mensch steht auf dem sandigen Perron, niemand sitzt auf der steinernen Bank. 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