{"id":178,"date":"2017-05-11T12:07:42","date_gmt":"2017-05-11T12:07:42","guid":{"rendered":"http:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/?page_id=178"},"modified":"2017-05-12T16:24:09","modified_gmt":"2017-05-12T16:24:09","slug":"178-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/infoafrica.ch\/aktuell\/publikationen\/178-2\/","title":{"rendered":"(Forts.) Alltag in \u2026  Juba, S\u00fcd-Sudan"},"content":{"rendered":"<p><strong>Unabh\u00e4ngig \u2013 aber wieder im Krieg\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong> <em>Neue Wege, Heft Nr. 11\u00a0 November 2016<\/em><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>In Juba herrscht reger Verkehr. Moderne, blitzblanke Gel\u00e4ndefahrzeuge brausen auf den neu asphaltierten Strassen \u2013 die ersten Asphaltstrassen im S\u00fcd-Sudan, einem Gebiet gr\u00f6sser als die Iberische Halbinsel \u2013 oder stauen sich in langen Kolonnen. Handys sind allgegenw\u00e4rtig. Der Frieden vom Januar 2005 nach f\u00fcnf Jahrzehnten B\u00fcrgerkrieg zwischen dem Norden und dem S\u00fcden des Sudan und die Unabh\u00e4ngigkeit des S\u00fcd-Sudans im Juli 2011 haben in Juba einen Boom ausgel\u00f6st. Ein Regierungsviertel mit repr\u00e4sentativen Ministerialgeb\u00e4uden und luxuri\u00f6sen Residenzen wurde und wird aufgebaut, Strassen und Avenuen wurden und werden angelegt. Einige Hotels und Dutzende Unterk\u00fcnfte in mehr oder weniger eingerichteten Schiffs-Containern mit fantastischen Namen wie \u00abParadise\u00bb, \u00abDa Vinci\u00bb und \u00abFriendship\u00bb bieten Unterkunft an. Die G\u00e4ste sind zur Mehrheit Angestellte der vielen internationalen Organisationen und Hilfswerke, die in der Stadt ihre B\u00fcros er\u00f6ffnet haben. Eine eigentliche Hilfsorganisationen-Wirtschaft habe sich hier etabliert, meint Nelson Wilson vom S\u00fcd-Sudanesischen Kirchenrat. Auch Gesch\u00e4ftsleute sind da und suchen Auftr\u00e4ge im Strassen- und H\u00e4userbau zu ergattern oder sind auf Vertr\u00e4ge im Erd\u00f6lsektor oder in der Holzwirtschaft aus.<\/p>\n<p>Der Boom lockt auch in grosser Zahl Menschen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben von \u00fcberall im S\u00fcd-Sudan in die neue Hauptstadt. Ausserhalb Jubas ist der S\u00fcd-Sudan \u2013 von den britischen Kolonialherren einst als \u00abclosed territory\u00bb abgeschottet und von den darauf folgenden Herrschern im Norden systematisch vernachl\u00e4ssigt \u2013 eines der am wenigsten entwickelten Gebiete Afrikas, wo es an Strassen, Gesundheitsdiensten und Schulen mangelt. So nimmt Jubas Bev\u00f6lkerung mit jedem Tag zu. Die Leute vom Land suchen Arbeit, gute Schulen, Unterkunft. Doch die Verh\u00e4ltnisse sind f\u00fcr die meisten prek\u00e4r, die Slums breiten sich aus. Strom haben nur wenige und eine Wasserversorgung gibt es nicht. So geh\u00f6rt Motorenl\u00e4rm von Generatoren zu Juba ebenso wie am Nilufer der L\u00e4rm der Motorpumpen, mit denen Tankwagen mit Flusswasser gef\u00fcllt werden. Auf diese Weise versorgen sich jene, die es sich leisten k\u00f6nnen, mit dem lebensnotwendigen Gut, das Spital, die Verwaltung, diplomatische Vertretungen, die UNO-Friedenstruppen, die Entwicklungsorganisationen, Hotels und gutsituierte Private.<\/p>\n<p>Die Hoffnung, hier Arbeit zu finden, geht aber nur f\u00fcr wenige in Erf\u00fcllung. All die Nichtregierungsorganisationen n\u00e4hmen ihre Angestellten aus Uganda, Ruanda, Kenia oder Somalia mit, f\u00fcr die S\u00fcdsudanesen g\u00e4be es bei ihnen kaum Arbeit, sagt Nelson Wilson. Und die Regierung habe ja nicht Arbeit f\u00fcr alle. \u00a0Nur einen einzigen Produktionsbetrieb gibt es, eine neue Bierbrauerei in s\u00fcdafrikanischem Besitz. Doch ihr \u201eWhite Bull\u201c-Bier hat einen schwierigen Stand gegen das kenianische \u201eTusker\u201c oder das \u201ePilsner\u201c aus Uganda. Fast s\u00e4mtliche Waren und Gebrauchsg\u00fcter werden in den S\u00fcd-Sudan importiert, vom Benzin \u00fcber Autos zu Ersatzteilen, B\u00fcro-Utensilien, Kleider, bis hin zu Getr\u00e4nken und Nahrungsmitteln. Entsprechend teuer ist alles, erschwinglich nur f\u00fcr jene, die eine Anstellung bei der Regierung oder bei einem Hilfswerk haben. Juba ist zu einer der teuersten afrikanischen Kapitalen geworden.<\/p>\n<p>An der Bootanlegestelle am Nilufer sitzt der Fischer Yohannes Gai am Boden und kn\u00fcpft ein neues Netz. Er bietet Kleinfische, die er kunstvoll zu mehreren Z\u00f6pfen verschlungen hat, zum Kauf an. Da ich seine Muttersprache Nuer nicht verstehe, hilft ein junger Mann mit \u00dcbersetzen. Yohannes arbeite zehn Tage an einem Netz. Er sei wegen der Fische hier. Er wohne in Bentiu. Von dort bringe er die Fische hierher. Wenn er alles verkauft habe, gehe er wieder zur\u00fcck, um neuen Fisch zu holen. Hier in Juba gebe es weniger Fische als in Bentiu. Es sei allerdings weit entfernt, drei Tage mit dem Motorboot. \u2013 Juba vor dem Dezember 2013.<\/p>\n<p>Seither ist alles schlimmer geworden. Nicht nur f\u00fcr den Fischer Yohannes Gai, der wohl nicht mehr nach Juba kommt aus Angst, gelyncht zu werden, weil er ein Nuer ist. Seit Pr\u00e4sident Salva Kiir im Dezember 2013 seinen Stellvertreter Riek Machar entlassen hat, f\u00fchren die beiden einen erbitterten Machtkampf gegeneinander. Es herrscht Krieg im S\u00fcd-Sudan, im j\u00fcngsten Land der Welt, ein B\u00fcrgerkrieg, den alle Parteien auch gegen\u00fcber Zivilisten mit \u00e4usserster Brutalit\u00e4t f\u00fchren. Die beiden unnachgiebigen F\u00fchrer setzen ganz auf ihre eigene Ethnie, Kiir auf das Mehrheitsvolk der Dinka, Machar auf die zweitgr\u00f6sste Bev\u00f6lkerungsgruppe der Nuer. Beide mobilisieren ethnische Milizen, um die gegnerische Seite zu schw\u00e4chen, mit Grausamkeiten gegen die Angeh\u00f6rigen der anderen Ethnie und Massakern. Inzwischen geht die s\u00fcd-sudanesische Armee, die aus der ehemaligen Befreiungsarmee SPLA hervorging und von den Dinka kontrolliert wird, auch gegen andere Volksgruppen vor, die von Salva Kiir verd\u00e4chtigt werden, Riek Machar zu unterst\u00fctzen. Zehntausende Menschen sind get\u00f6tet worden, mehr als zwei Millionen mussten von ihren Wohnorten fliehen. Ein Ende ist nicht abzusehen. Adama Dieng, UNO-Berater zur Verh\u00fctung von V\u00f6lkermord, warnt, der ethnische Hass gegen Zivilpersonen drohe zum V\u00f6lkermord zu f\u00fchren. \u2013 Nach dem Abschluss des sudanesischen Friedensabkommens 2005 hatte mir ein S\u00fcdsudanese in der Hauptstadt Khartoum gesagt, er sei so gl\u00fccklich, dass er jetzt in seine Heimat zur\u00fcckkehren und dort leben k\u00f6nne, ohne Unannehmlichkeiten, ohne Krieg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"excerpt\">Unabh\u00e4ngig \u2013 aber wieder im Krieg\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Neue Wege, Heft Nr. 11\u00a0 November 2016 In Juba herrscht reger Verkehr. Moderne, blitzblanke Gel\u00e4ndefahrzeuge brausen auf den neu asphaltierten Strassen \u2013 die ersten Asphaltstrassen im S\u00fcd-Sudan, einem Gebiet gr\u00f6sser als die Iberische Halbinsel \u2013 oder stauen sich in langen Kolonnen. Handys sind allgegenw\u00e4rtig. 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